Berichte

Ironman Hamburg - Gabriel Schaefer berichtet

Auf der ersten Laufrunde angefeuert von den Vereinskameraden

Als im Herbst 2016 bekannt wurde, dass die Gerüchte wahr werden und 2017 tatsächlich ein Ironman in HH stattfindet, musste ich nur kurz überlegen, ob ich dort nicht starten möchte. Selbst das hohe Startgeld konnte mich nicht davon abhalten, mich anzumelden. Die Idee war, gut vorbereitet meine persönliche Bestzeit anzugreifen.

Leider war ab Januar 2017 kein wirklich geordnetes Training mehr möglich, keine Woche lief wie geplant, teilweise musste ich mehrere Wochen das Training komplett aussetzen. So langsam kam der August immer näher und es stellte sich die Frage, ob ein Start wirklich Sinn macht. Da reifte der Entschluss den Ironman ohne feste zeitliche Vorgabe locker anzugehen und versuchen den Tag zu genießen.

So stand ich dann am 13.8. morgens gegen 6:30 in Hamburg mit Tina am Schwimmstart und ging mit einer mir bisher nicht bekannten Gelassenheit (bei aller Anspannung) ins Wasser. Der Rollingstart hat seinen Teil zum entspannten Schwimmen beitragen, zumindest in meinem Umfeld schienen sich alle ganz gut eingeschätzt zu haben, so dass das Schwimmen selbst an den Engstellen wie Brücken und Bojen ohne viel Körperkontakt von statten ging. Den Australian-Exit bei km 2,6 empfand ich als störend aber immerhin konnte ich einen sich gerade andeutenden Wadenkrampf bei der Gelegenheit gleich herausdrücken. Die Stimmung beim Schwimmausstieg war überwältigend, man lief durch ein enges Spalier und mehrfach hörte ich meinen Namen – nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Die Schwimmzeit war mit 1:19 in dem Bereich was ich auch im Training auf den langen Einheiten geschwommen bin, also alles ok.

Die Wechselzone war zwar elend lang (700m vom Schwimmausstieg bis zum Radstart) aber dennoch lief der Wechsel inkl. einem kurzen Dixi-besuch recht flott ab. Auf dem Rad stellte sich schnell heraus, dass der Tag nicht ganz einfach wird, da das Radfahren von ständigen Rhythmuswechsel durch Rückenwind, Gegenwind, kurzen und längeren Steigungen und entsprechenden Abfahrten geprägt war. Daher blieb ich bei meinem Plan auf den ersten 45km zu versuchen locker mit einen 30-30,5 Schnitt zu fahren, immerhin waren wir dann 100m höher als beim Start und hauptsächlich gegen den Wind gefahren, die 2. Hälfte der Runde sollte die schnelle sein und genau so war es dann auch. Also hieß es weiter entspannt Radfahren und wie vorher geplant Ernähren. Meine Befürchtung dass sich grosse Pulks beim Radfahren bilden, hat sich nicht bestätigt. Nach der langgezogen Steigung bei km 24-28 hatte sich das Feld sortiert und zumindest in meinem Umfeld wurde recht fair gefahren. Zum Ende der 1. Radrunde frischte der Wind noch ein bisschen auf, was die 2. Runde noch ein bisschen schwerer machte , trotzdem konnte ich die 2. Runde gut absolvieren und kam nach 5:47 im Rahmen meiner Vorstellungen vom Rad. Dass das Laufen alles andere als ein Vergnügen wird, war mir aufgrund der Vorbereitung von vornherein klar, daher war die Devise einfachen laufen, nur laufen, nicht gehen und an jeder Station verpflegen. Der Plan dafür war ganz einfach: An einer Station Gel+Wasser und an der Nächsten Wasser und Cola und das ganz wieder von vorne. Macht 3 Gels pro Runde und in Summe 12 Gel. So bin ich, begleitet von dem fanatischen Publikum -es gab fast keine Stelle ohne Zuschauer- und angefeuert von den lieben Vereinskameraden und Arbeitskollegen aber auch unzähligen Unbekannte bis zur 4. Runde zum Wendepunkt ohne Gehpausen gekommen, dort gab es das letzte Gel und allein die Tatsache sich nicht mehr dieses inzwischen widerlich schmeckende Zeug einverleiben zu müssen, motivierte mich für die letzten 5 km, die dann wie im Fluge vergingen. Die letzte Runde über den Jungfernstieg und den Rathausmarkt waren einfach nur genial und der Zieleinlauf die Krönung einen langen Tages. Mit 11:45 war das zwar der langsamste meiner bisher 8 Langdistanzen, aber aufgrund der persönlichen Rahmenbedingungen doch eine auf die ich sehr stolz bin, insbesondere weil ich wieder ohne Gehpausen durchlaufen konnte.

Als Fazit muss man den Veranstaltern ein Lob aussprechen, die Orga war sehr gut, hier merkt man dass Profis am Werk sind. Dass Hamburg ein begeistertes Publikum auf die Beine stellen kann, ist ja bekannt und wurde wieder eindrucksvoll bewiesen. Trotzdem denke ich dass unser Sport nicht nur aus Ironman und Challenge besteht und es schade wäre wenn die anderen Veranstalter auf die kürzeren Distanzen verwiesen oder ganz verdrängt werden. Daher steht bereits jetzt für das nächstes Jahr wieder der Ostseeman mit seiner sehr familiären Atmosphäre auf dem Plan und dann kann hoffentlich mit einer guten Vorbereitung meine dann 25 Jahre alte Bestzeit angegriffen werden.

Ergebnisliste

13.08.2017: Ironman Hamburg

IM (swim: 3,8 km + bike: 180 km + run: 42,195 km)
Teilnehmer Zeit Platz Gesamt Platz Altersklasse
Frauen
Bettina Eggers 11:31:31 h 68./256 8./39
Bärbel Rievel 12:55:45 h 170./256 18./35
Männer
Ulrich Koch 11:14:50 h 713./1738 83./303
Gabriel Schaefer 11:45:00 h 973./1738 188./350

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